Karneval in Apulien

Januar 27  2011 by Sara

Karneval in Apulien und Putignano: der älteste Karneval Italiens


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Eine jährliche Veranstaltung in den letzten 617 Jahren.


In Apulien ist Karneval kein einziger Tag und keine einzelne Veranstaltung, sondern eine ganze Saison mit Maskenfesten und Spaß für Menschen jeden Alters. Jeden Sonntag laufen die Kinder in Kostümen, die ihre Lieblings-Comicfiguren oder -helden darstellen, über die Plätze der Städte und werfen coriandoli, hunderte bunter Papierblättchen, auf die Passanten. Kostümbälle und Partys werden für Erwachsene veranstaltet, um sich zu verkleiden und auszutoben.

Jede Stadt organisiert Veranstaltungen und Umzüge, um diese Zeit der Ausgelassenheit zu feiern, ehe die Fastenzeit, die katholische Zeit der Buße und des Gebets, beginnt. Doch der Karneval von Putignano ist wohl der berühmteste und ohne Zweifel eine der ältesten Karnevalsfeiern in Europa.


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Obgleich die Ursprünge des Fests sich im Nebel der Zeit verlieren, will die Tradition, dass es 1394 begann. In jenem Jahr beschlossen die Ritter von Malta, die das Gebiet zu der Zeit regierten, die Reliquien des Hl. Stephanus von Monopoli an der Adriaküste ins Landesinnere nach Putignano zu überführen, um sie vor Sarazeneneinfällen in Sicherheit zu bringen. Beim Eintreffen der Prozession mit den Reliquien verließen die Bauern ihre Weinberge und schlossen sich an. Nach der religiösen Zeremonie begann das Landvolk zu singen und zu tanzen, und es wurden propaggini, satirische Stegreifdichtungen, die sich über die Obrigkeit lustig machten, im lokalen Dialekt vorgetragen.


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Erst zur Zeit des Faschismus entwickelte sich dieser ländliche Karneval zu dem verfeinerten, eher städtischen Ereignis von heute fort. Zu jener Zeit kam die Parade – eine beliebte Kommunikationsform der faschistischen Kultur – mit Umzugswagen in Mode. Die ersten Umzugswagen waren angeblich aus Stroh und Lumpen gebaut, dann aus Pappe und Holz, bis das heutige System aus Pappmaschee auf Drahtgestellen entwickelt wurde. Die Themen der Wagen hängen immer mit bissiger politischer Satire oder aktuellen Angelegenheiten zusammen und zeigen gigantische Karikaturen von Politikern oder Fernsehpersönlichkeiten. Begleitet werden sie von Gruppen kostümierter Tänzer und lauter Musik, um die Aufmerksamkeit der Zuschauermengen zu fesseln.


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Jeder Karneval hat eine Symbolfigur und in Putignano ist es Farinella. Farinella ist ein Narr mit einem vielfarbigen Kleid und einer Kappe mit zwei Schellen an den Spitzen. Sein Name kommt von einem typischen lokalen Gericht mit Gerste und Kichererbsen.

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Der Karneval in Putignano ist einer der längsten. Er beginnt am 26. Dezember mit einer religiösen Zeremonie, bei der die Stadtbewohner Kerzen zur Kirche tragen und im Vorhinein um Vergebung für die Sünden bitten, die sie in der Karnevalszeit begehen werden. Am selben Abend wird das Propaggini-Fest veranstaltet. Entsprechend der Tradition des ersten Karnevals kleiden sich die Teilnehmer als Bauern und tragen Ackergeräte mit sich, während im lokalen Dialekt satirische Verse über wichtige Ereignisse des Jahres und über örtliche Politiker vorgetragen werden.
 
Weitere Veranstaltungen werden während der ganzen Karnevalssaison abgehalten. Jeder Donnerstag ist der Verspottung einer anderen Personengruppe gewidmet. 
 

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Die ersten, über die man sich lustig macht, sind die Monsignori, sodann, in folgender Reihenfolge: Priester, Nonnen, Witwer, Junggesellen, verheiratete Frauen und gehörnte Ehemänner. Am 2. Februar findet das Bärenfest statt. Die Überlieferung will, dass der Bär (ein verkleideter Darsteller) bei schönem Wetter einen Heuhaufen aufschichtet, um sich vor dem kommenden schlechten Wetter zu schützen; dagegen kann der Bär bei miesem Wetter ausruhen, denn dann wird es von nun an schön. Der Karneval endet am Abend des Faschingsdienstags mit einem Trauerzug, bei dem der Karneval durch ein Schwein verkörpert wird.

Interessieren Sie sich für italienische Traditionen?: Karneval in der Toskana, Karneval in Sardinien and Karneval in Kampanien.

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